Coaching: Wirkung oder Scharlatanerie?

Ein Beitrag von Alexander Höhn

Lineare Strukturen lösen sich auf, Komplexität und Druck nehmen zu, der Bedarf sich zu positionieren steigt. Konflikte sollen benannt und auch noch konstruktiv angegangen werden. So manche(r) fühlt sich wie ein Dampfkochtopf  - gleichzeitig erfordern auch private Beziehungen ein Zuhören, sich aushalten, verhandeln. Nichts scheint sicher, wenigstens nicht auf Dauer und alles steht immer wieder auf dem Prüfstand.

Heutige Normalität. Wir scheinen entlassen aus den ewigen Gewissheiten patriarchaler Systeme in einen Kosmos zwischen erhöhter Freiheit oder besser Freizügigkeit und dem Bedarf nach Selbstverantwortung.

Was sind denn meine Bedürfnisse hinter meinen Erwartungen? Wie beginne ich meine Bedürfnisse zu spüren und wahrzunehmen, um klarer fokussiert agieren zu können?

Setzt das doch voraus, Zeit für mich zu haben, Ruheorte, Pausen machen zu können, um klarer entscheiden zu können, auf was ich mich konzentrieren möchte, was ich zu beeinflussen vermag, um mich “selbstwirksam” zu empfinden.
Freude haben, Lust spüren, Stille genießen, einfach mal irgendwo sitzen und hören, ziellos - der Luft, den Bewegungen des Alltags, dem Rauschen des Laubs und der Ruhe in einer alten Kirche.

Wohl eher seltene Augenblicke in einer Welt, die Befriedigung fordert, der Teambedürfnisse, Kundenerwartungen, Zielerreichungen, familiären Erwartungen nach erfüllter Partnerschaft und eben auch noch erfüllten Zuständen privaten Glücks.

Ein Spannungsbogen zwischen lustvoller Herausforderung und frustrierenden Augenblicken, zwischen Zweifeln und Optimismus, Agilität und Verzweiflung.

Ich lasse mich in diesen Augenblicken immer wieder unterstützen - also “coachen”. So manches Mal ist es viel Wert, sich inspirieren zu lassen, Feedback zu erhalten, einen Wechsel des Blickwinkels vorzunehmen - mit einem “Profi”.

Wie erkenne ich den nur? Wichtigste Unterscheidung von einem Scharlatan ist wohl, nicht die “Wahrheit gepachtet zu haben”, Ihnen nicht zu sagen, was richtig oder falsch ist, gar Ihnen zu sagen, wie Sie sind und was Sie zu tun haben - also ein geschlossenes Denkgebäude anzubieten. Jedwede Ideologie ist anzuzweifeln, der Guru, der Retter, der Wissende.

Der Zweifelnde und Unvollkommene, Fragen stellende, der mich mit Alternativen zurücklässt, ohne Antworten, sondern mit Impulsen - das könnte der Weg in den Reichtum meiner Biographie und Möglichkeiten sein.

So könnte es wirklich gelingen, Coaching als Inspiration.

Übrigens lohnt der neue Film über Churchill, “Die dunkelste Stunde”. Da ist ein mutiger Mensch zu sehen in all seiner Unvollkommenheit und Zweifeln - als Humus seiner Entschlossenheit und seiner Courage.
Viel Freude Ihnen - nicht nur mit diesem Film!