Nachgefragt: Wie gelingt es Führungskräften, für sich selbst zu klären was „beliebt sein“ bedeutet, welche Herausforderungen, Hemmnisse, Höhen und Tiefen sind damit verbunden?

Alexander Höhn antwortet: Sie wollen volle Leistungsfähigkeit erreichen, Ihre, die Ihrer Mitarbeiter, Ihrer Partner, Kunden?
Sie benötigen Menschen in Ihrer Umgebung, die sich Ihres Selbst bewusst positionieren, Ihre Meinung und Autorität zur Verfügung stellen, Ihre Perspektive ausleuchten? Konflikte eingehen in kooperativer Grundhaltung, sich nicht scheuen vor vermeintlichem Widerstand, vernetzt denken und übergeordnet Verantwortung übernehmen für das Ganze? Dabei eine hohe Frustrationstoleranz besitzen und beharrlich bleiben bei der Vertretung ihrer Standpunkte?

Ganz schön viel verlangt - von sich und den Anderen!
Ein Schlüssel zum Glück? Gibt es den? Den vielleicht nicht, doch einen simplen Moment, über den es sich nachzudenken lohnt:
Selbstliebe. Selbstfürsorge. Selbstwert . Damit die Fähigkeit, andere Menschen zu beachten, zu mögen, ihnen zuzuhören, sie anzuerkennen, Beziehungen zu pflegen. Und damit Beteiligung herzustellen und gemeinsamen Sinn zu erzeugen.
Und damit Wirkung.

Welche manchmal anstrengende Übung! Sich selbst mit seinen Mühen, seinen Erfolgen, seinem Scheitern anzuerkennen, sich selbst ein Lob auszusprechen, sich selbst zu lieben - wie fragwürdig das klingt.  Es ist jedoch die Voraussetzung für gelingende Beziehungen, die Fähigkeit zu loben, den Anderen in all seiner Differenziertheit zu erfassen und damit Tragfähigkeit und Identifikation herzustellen. 

Die Frage nach dem Sinn beantwortet sich nur vordergründig sachlich und inhaltlich. Erst muss die Akzeptanz meiner Person sichergestellt sein, um meine volle Wirkung entfalten zu können, auch meine Schwächen bejaht werden, um an ihnen "arbeiten" zu können.

Dieses Momentum: Selbstliebe. Selbstfürsorge. Selbstwert - ohne diese "3" funktionieren wir alle nur unvollkommen, müssen narzisstische Symptomatiken entwickeln, um mit uns im Gleichgewicht zu bleiben: Besonders laut werden, besonders witzig, aggressiv oder zurücknehmend, geizig, missgünstig, wütend.
Wenn ich mich nicht gesehen fühle, nicht beachtet, werde ich entweder auffällig oder gänzlich unauffällig. Dahinter buhlen wir alle ein Leben lang um die existenzielle Nahrung, die ungeteilte Liebe heisst.

Was bedeutet das für leistungsorientierte Unternehmen, im harten Wettbewerb stehend?
Eine wertschätzende, konkret lobende Kultur ist der Leistungsschlüssel schlechthin. Die Pflege wahrhaftiger Beziehungen, also konkrete Feedback-Kultur und reelle Modelle der Beteiligung und geteilten Verantwortung sind viel weniger esoterische Spielereien, als existenzielle Notwendigkeiten und Erfordernisse zur Erlangung sinnvoller, leistungsorientierter und kreativer Arbeitsergebnisse.

Wohin Menschen tendieren, sollten sie sich ignoriert, vernachlässigt und gedemütigt fühlen, lässt sich politisch eben schmerzlich beobachten, sie reagieren mit Wut oder Depression. Diese Phänomene verbergen ihre Bedürfnisse nach Bestätigung ihres Selbstwertes.

Politisch wie privat wie wirtschaftlich liegt der Moment gemeinsamen Erfolgs und Erfüllung in der Hingabe und Zumutung zu mir selbst und denen, die ich brauche. 

Eine scheinbar herkulische Aufgabe, die allerdings eher eines Sisyphus bedarf -
den wir uns ja bekanntlich nach Albert Camus "als glücklichen Menschen" vorstellen müssen.
Wann haben SIE sich denn das letzte Mal geliebt?