Nachgefragt: Fragen und Antworten aus dem Führungsalltag

Beate Pawle, neu in ihrer Position als Geschäftsführerin in einem Sprach- und Bildungsinstitut, stellt einmal monatlich Fragen zu Themen und Situationen aus ihrem Führungsalltag.

Frage 06/2016: Die Veränderungen in unserer Unternehmensleitung lösen Verunsicherung bei Mitarbeitern aus. Einige reagieren mit Widerstand oder Rückzug. Wie gelingt es mir, Vertrauen zu schaffen und Sicherheit zu geben, damit sich die Mitarbeiter auf die Neuerungen einlassen können?

Alexander Höhn:Die "Widerständigen" als die Kreativen, die Identifizierten (mit der Historie, den Gewohnheiten, dem Tradierten usw.) zu nutzen, das ist der kreative Weg: Einbinden, ernst nehmen, die Positionen aufgreifen und zur Adaption an gegenwärtige Blickwinkel herauszufordern, das alles tägliche Praxis. Gegebenenfalls den konstruktiven Konflikt zu suchen, sich für die eigene Position zu "streiten", allerdings nicht gegen den Opponenten, sondern - an ihm interessiert - für eben den eigenen Blickwinkel. Widerstand fordert uns argumentativ und emotional heraus: Mich zuzumuten, zuzuhören, zuzuwenden - mir und meinem Gegenüber.



Frage 05/2016
: Mir begegnen immer wieder Mitarbeiter, die es nicht gewohnt sind, selbstverantwortlich zu arbeiten.
Oft liegt es daran, dass sie sich dies nicht zutrauen. Wie kann ich das ändern?

Alexander Höhn: Menschen herauszufordern, ihnen etwas zuzumuten im Zutrauen des Gelingens - das ist die entwickelnde innere Haltung. Gleichzeitig engmaschig im Feedback-Prozess die Selbstorganisation der Person zu stärken, das ist die empfohlene Navigation täglichen Verhaltens.



Frage 04/2016
: Ich möchte in meinem Verantwortungsbereich eine Feedbackkultur einführen, Mitarbeiter um Feedback bitten.
Wie schaffe ich dies, wie bekomme ich Feedback, das auch kritisch ist?

Alexander Höhn: Vertrauen und Sicherheit sind die Elemente, die für eine kritische Feedbackkultur unabdingbar sind. Im Genom unserer Erfahrungen sitzt die Angst, für den Standpunkt eigener Bedürfnisse bestraft und ausgeschlossen zu werden. Das haben die Entwicklung von Zivilkultur und leistungsorientierter Kommunikation gemein: Der kreative, freie Wille benötigt die Entwicklung eines stabilen Selbstwerts der Person. Deswegen benötigt es einer beharrlichen ebenbürtigen Haltung zur Etablierung derselben.



Frage 03/2016: In unserem Unternehmen stehen die jährlichen Mitarbeitergespräche an. Wie drücke ich angemessen Anerkennung aus, wie bringe ich konstruktive Kritik zur Sprache ohne mein Gegenüber zu verletzen oder abzuwerten?

Alexander Höhn: Entscheidend ist eine ehrliche innere Haltung; aus der eigenen Perspektive die Situationen zu schildern, die als unterstützend wahrgenommen und bewertet werden, bilden die Grundlage, sehr konkret kritische Punkte zu benennen. Das eigene Interesse an der Zusammenarbeit und dem Menschen, sowie das Engagement, eigene Gefühle im Kontext mit den Sachthemen zu äußern, das macht solche Gespräche zum Kern ebenbürtiger Kommunikation.



Frage 02/2016
: Im Arbeitsalltag geht es oft turbulent zu. Gleichzeitig möchte ich meine Mitarbeiter nicht überfrachten und angemessen mit ihnen kommunizieren. Wie gelingt es mir, auch unter Stress, mein Handeln, meine Haltung zu reflektieren? 

Alexander Höhn: Gerade in turbulenten Zeiten immer wieder Lob und Anerkennung gegenüber den Mitarbeitern auszusprechen und zwar in äusserst konkreter Form, ist die Grundlage auch für kritisches Feedback. In einer zugewandten, die Kooperation bestätigenden inneren Haltung ist dies "Nahrung und Labsal", also Orientierung für die Mitarbeiter und führt zu deren intrinsischer Motivation - und bietet in praktizierter Gegenseitigkeit auch Orientierung und Navigation für einen selbst.